Protonentherapie im Überblick

Protonentherapie im Überblick

Die Protonentherapie ist eine Spezialform der Strahlenbehandlung. Der Vorteil der Protonen liegt in Ihrer präzise einstellbaren Wirkung. So können Tumore im Körper mit hohen Dosen behandelt und angrenzendes gesundes Gewebe daneben dennoch gut geschont werden.

Wichtig ist, dass die zu behandelnde Tumor-Region im Körper gut anzielbar ist, da Protonen sich an Bewegungen oder Formveränderungen von Organen (z.B. Atembewegung der Lunge, Füllstand von Magen oder Harnblase) auf Grund ihrer Präzision nicht so gut anpassen können, als die weniger exakten Photonen / Röntgenstrahlen, die ihre Wirkung nicht an einem bestimmten Punkt, sondern in einer bestimmbaren Region entfalten. Kompensiert werden kann diese übergroße Genauigkeit der Protonen bei Bedarf durch intensitätsmodulierende bautechnische „Hindernisse“ im Strahlengang, die aus einem „Brennpunkt“ einen unschärferen „Fleck“ machen.

Dabei verwischen aber auch die Vorteile der Protonentherapie gegenüber den ausgefeilten Möglichkeiten modernster Bestrahlungsgeräte an renommierten Kliniken, die mit Photonen (verwandt mit „Röntgenstrahlen“) arbeiten.

Aus diesem Grund wir derzeit wissenschaftlich untersucht, bei welcher Tumorart die Eine oder die Andere Art der Behandlung vorteilhafter ist, oder ob beide Behandlungsformen bei einer bestimmten Erkrankung ebenbürtig wären.

Eine derartige Erkenntnis der Ebenbürtigkeit erbrachte 2016 eine Untersuchung bei Patienten mit lokalisiertem Lungenkrebs (NSCLC). Hierbei waren Protonen und Photonen in Ihrer Tumorwirkung ähnlich. Der Vorteil der Protonen liegt hier soweit bekannt eher in der tendenziell besseren Schonung von gesundem Gewebe wie Speiseröhre oder Herz.

Da es sich bei der Protonentherapie um eine junge Behandlungsform handelt, ist es von Vorteil die Sinnhaftigkeit einer Behandlung interdisziplinär zu besprechen und sich im Zweifelsfall mit in der Protonentherapie erfahrenen Experten zu beraten.

Nach aktuellem Stand des Wissens* (27.06.17) besteht in Österreich bislang Konsens zwischen Krankenkassen und Protonenklinik MedAustron in Bezug auf die Protonenbehandlung der folgenden Erkrankungen:

  • Melanome am Auge, die nicht für Brachytherapie mit Jod- oder Ruthenium-Applikatoren geeignet sind
  • Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis
  • Adenoid-zystische Speicheldrüsenkarzinome, wenn diese nicht operabel sind oder bei Vorliegen von makroskopischen Krankheitsrückständen nach einer Operation
  • Pädiatrische Tumore bei Patientinnen und Patienten bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres
  • Meningeome, wenn diese neurologische Symptome verursachen und durch neurochirurgische Maßnahmen ein hohes Risiko für zusätzliche Schädigungen zu befürchten ist

Dabei sei anzumerken, dass in bestimmten Spezialsituationen auch die Behandlung anderer Tumorerkrankungen vom Chefarzt anerkannt werden könnte.

Für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist vor der Anwendung die chef(kontroll)ärztliche Bewilligung der zuständigen Krankenkasse nach Empfehlung durch das für die zuweisende Krankenanstalt zuständige multidisziplinäre Tumorboard einzuholen. Auskünfte dazu erteilt die zuständige Krankenkasse.

 


*Quelle: ...https://www.sozialversicherung.at/portal27/hvbportal/content?contentid=10007.776057&viewmode=content&portal:componentId=gtn63962b7f-9c84-4962-a055-e2b75f396d32
Wir bedanken uns beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger für die 
zur Verfügung Stellung der für diesen Artikel notwendigen Informationen
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