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Brachytherapie bei Prostatakrebs

Brachytherapie bei Prostatakrebs
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Das Interesse an der Brachytherapie zur Behandlung von Prostatakrebs ist groß.

Ursache dafür ist das Ergebnis der Grimm-Studie, bei der 11 Methoden aus allen Fachgebieten auf ihre Erfolgsaussichten hin untersucht wurden. Testsieger und im Ergebnis vor jedem operativen Verfahren wurde dabei die Brachytherapie alleine oder in Kombination.

Die LDR-Brachytherapie („low dose rate“) eignet sich für kleinere und weniger aggressive Tumoren der Prostata. LDR steht für „low dose rate“ und bedeutet, dass die Strahlung über einen längeren Zeitraum mit einer niedrigen Dosisrate abgegeben wird. Bei der LDR-Brachytherapie werden einmalig durch dünne Hohlnadeln ca. 4 mm lange dünne Stifte (fachsprachlich „seeds“) mit schwach radioaktivem Jod-125 in die Prostata eingebracht. Die Seeds verbleiben dauerhaft in der Prostata. Vorteil dieser Behandlung ist dass aufgrund der kurzen Reichweite der Strahlung die Prostatakrebserkrankung mit einer hohen Strahlendosis innerhalb der Prostata gezielt behandelt werden kann. Die Organe,die die Prostata umgeben werden – wegen der kurzen Reichweite der Strahlung – gut geschont.

 

Die HDR-Brachytherapie („high dose rate“) wird meist zusammen mit einer perkutanen Bestrahlung von außen kombiniert. Die HDR-Brachytherapie wird ebenfalls ausschließlich bei Patienten mit örtlich begrenzten Tumoren eingesetzt. Das heißt der Tumor darf keine Absiedlungen (Metastasen) gesetzt haben. Im Unterschied zur LDR-Brachytherapie eignet sich die HDR-Brachytherapie für Patienten mit örtlich fortgeschrittenen oder aggressiveren Tumoren. HDR bedeutet „high dose rate“, dass die Strahlung innerhalb kurzer Zeit abgegeben wird. Im Unterschied zur LDRBrachytherapie wird hier eine Iridium-192 Strahlenquelle computergesteuert für sehr kurze Zeit durch spezielle Hohlnadeln in die Prostata hinein gefahren.

Nach der Brachytherapie kann es zu Beschwerden im kleinen Becken oder bei der

Blasenentleerung kommen, die zumeist vorübergehend sind. Hier ist in aller Regel eine medikamentöse Behandlung hilfreich. Die sexuelle Potenz bleibt nach der Brachytherapie in den meisten Fällen erhalten, in manchen Fällen ist eine medikamentöse Unterstützung notwendig.

Wie bei allen anderen Behandlungen der Prostatakrebserkrankung ist auch bei der

Brachytherapie die Nachsorge fester Bestandteil des Behandlungsplans. So sollten

regelmäßige fachurologische und strahlentherapeutische Tumornachsorgeuntersuchungen vorgenommen werden.

 

Mittlerweile stehen aber auch noch neuere Untersuchungsergebnisse zur Verfügung, die zeigen, dass auch ohne die Anwendung von Hohlnadeln in der Prostata mit einer von Außen durchgeführten Bestrahlung per Linearbeschleuniger mit höherer Dosis (> 70 Gy, z.B. über Goldmarker gestützte IGRT ) je nach verabreichter Dosis zumindest gleich gut behandelt werden kann. 

Hervorragende Ergebnisse in Bezug auf Behandlungserfolg und Verträglichkeit zeigt auch eine 2014 publizierte Studie aus Florida zur hypofraktionierten Protonentherapie.

Im Anschluss sehen Sie die Pressemeldung der deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und den link zum Originaltext der Grimm-Studie

Metastudie zeigt: Strahlenbehandlung ist die beste Therapie

Berlin, März 2012 – Die besten Behandlungsergebnisse beim lokalisierten, also auf
die Prostata beschränkten, Prostatakarzinom werden mit einer Strahlentherapie –
entweder als Brachytherapie oder als Kombination von Brachytherapie und externer
Strahlentherapie – erreicht. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für
Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer kürzlich im British Journal of Urology
International (BJUI) publizierten systematischen Analyse von mehr als 52 000
Erkrankungsfällen hin.

Das Prostatakarzinom ist mit weit über 60 000 Neuerkrankungen jährlich der häufigste bösartige
Tumor und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache beim Mann. Durch stetig verbesserte
Diagnoseverfahren werden heutzutage mehr als 70 Prozent aller Prostatakarzinome recht früh
entdeckt. Oft sind sie dann auf das Organ begrenzt, und damit bestehen gute Heilungschancen.
Nicht jeder Patient benötigt eine Behandlung. Bei einigen ist eine regelmäßige sogenannte aktive
Überwachung die beste Option. Wenn jedoch eine lokale Behandlung des Prostatatumors indiziert
ist, kommen verschiedene Verfahren in Betracht: die Radikaloperation oder verschiedene
Strahlentherapie-Verfahren, darunter auch die Brachytherapie (permanente Seed-Implantation oder
HDR-Brachytherapie).
Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für
Strahlentherapie an der Universität zu Lübeck, betont: „Operation und Strahlentherapie gelten als
gleichwertig. Bisher gibt es jedoch keine randomisierten Studien mit einem direkten Vergleich der
Verfahren.“ Daher begrüßt der Strahlentherapeut aus Lübeck die jüngst veröffentlichten Ergebnisse
einer internationalen Gruppe um den Prostataexperten Peter Grimm, Seattle. Alle in der
Weltliteratur veröffentlichten Behandlungsergebnisse der letzten Jahre (2000 bis 2010) wurden in
dieser „Metastudie“ systematisch analysiert. Untersucht wurden die Behandlungsergebnisse nach Radikaloperation (16 697 Patienten, davon 1381 mit robotergestützter OP), interstitieller
Brachytherapie (einer Strahlentherapie „von innen“, insgesamt 22 479 Patienten, zum Teil mit
zusätzlicher externer Bestrahlung und Antihormontherapie), alleiniger externer Bestrahlung
(12 082 Patienten) oder anderen Verfahren (532 Patienten mit hochfokussiertem Ultraschall, 227
Patienten mit Kryotherapie). Professor Dr. med. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Abteilung
Strahlentherapie am Universitätsklinikum Ulm und Beauftragter der DEGRO für Prostata-Zentren,
erläutert: „Als Maß für die Wirksamkeit der Behandlung wurde die biochemische Rezidivfreiheit
analysiert, also der Anteil von Patienten, bei denen sich der Wert des prostataspezifischen Antigens
(PSA-Wert) nach der Behandlung nicht verschlechterte“. Alle Patienten seien auf der Basis der vor
Therapiebeginn vorliegenden Befunde in drei Risikogruppen aufgeteilt worden, da diese
Information bei allen Therapieverfahren in gleicher Weise vorliegt und Ärzten und Patienten als
Grundlage für eine Behandlungsentscheidung dient. Professor Wiegel fasst die Ergebnisse
zusammen: „Diese Studie liefert zwar keinen Beweis, dass eine bestimmte Therapie eindeutig
besser ist als andere. Die biochemische Rezidivfreiheit war in dieser Analyse aber nach einer
Brachytherapie oder nach einer Kombination aus Brachytherapie und/oder externer Bestrahlung
und Hormontherapie am höchsten. Strahlentherapie-Verfahren sind in allen Krankheitsstadien eine
hocheffektive Behandlung und im Vergleich zu einer Radikaloperation mindestens gleichwertig
oder besser.“ Die DEGRO-Experten resümieren, dass diese Analyse eine wichtige Hilfe für die
Entscheidungsfindung von Ärzten und Patienten darstellt.
Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen
Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die
Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes,
sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken
können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Literatur:
Grimm P, Ignace Billiet I, Bostwick D et al. Comparative analysis of prostate-specific antigen free survival
outcomes for patients with low, intermediate and high risk prostate cancer treatment by radical therapy.
Results from the Prostate Cancer Results Study Group. BJUI 109, Suppl. 1, 22–29, 2012
Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

DEGRO, Pressestelle, Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dagmar Arnold
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arnold@medizinkommunikation.org
www.degro.org
Lokale Therapie des Prostatakarzinoms

Grimm Studie:

Metaanalysenvergleich-verschiedener-Primärtherapieformen-des-Prostatakarzinomes-Grimm-et-al-2012

Text enthält Auszüge aus: https://www.klinikum-ingolstadt.de/kliniken-und-institute/urologischeklinik/leistungsangebot/onkologie/prostatakrebs/prostatakrebsbrachytherapie/
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